NP  Samstag, 16.4.2005

SÄUREHARZDEPONIE SORGENKIND DER KRONACHER SPORTLER 
Altlast kostet den Verein viel Geld: Ist die Exisztenz bedroht?

KRONACH – Während des Zweiten Weltkriegs wurde auf einem Gelände der Schützengesellschaft Kronach Säureharz als Rückstand bei der Gewinnung von Öl für Panzermotoren abgelagert. Dies könnte ein schier unüberwindliches Problem für die traditionsreiche Schützengesellschaft werden, die dadurch sogar in ihrem Fortbestand bedroht ist, hieß es in der Hauptversammlung. Dies wäre dann auch das Aus für das Kronacher Schützenfest, informierte Schützenmeister Dr. Johannes Weber. 
Erste Erkundungsbohrungen mussten auf eigene Kosten durchgeführt werden. Die Kosten dafür lagen bei über 20 000 Euro. 

Letztlich haben diese Ausgaben dazu geführt, dass die Schützengesellschaft im vergangenen Jahr keinen Gewinn mehr erzielen konnte. Die Schützengesellschaft sei auf jeden Fall als „Zustandsstörer“ mitverantwortlich. Möglich wäre sogar eine unbegrenzte Inanspruchnahme der Kronacher Schützen neben der Firma Voitländer als Verursacher. Für beide wäre dies wohl das Aus. 

„Es ist eine Angelegenheit, die noch lange nicht ausgestanden ist“, befürchtete Dr. Weber. Ziel wäre eine Regelung über einen öffentlich-rechtlichen Vertrag, was bislang nicht möglich war. Auch verschiedene Politiker konnten hier bislang nicht helfen. Der Vorstand werde sich weiter intensiv bemühen, damit die Schützengesellschaft Kronach nicht durch Sanierungskosten in Millionenhöhe in die Pleite getrieben würde. Die Belastungsgrenze der Gesellschaft sei schon im letzten Jahr überschritten gewesen. Verschiedene Sanierungsmaßnahmen an den Baulichkeiten mussten schon zurückgestellt werden. 

„Es wird für unsere Gesellschaft ein langer, steiniger Weg werden!“ Sollte in Millionenhöhe saniert werden müssen, gehe dies nur mit Hilfe von öffentlichen Mitteln – selbst wenn der Konkurs der Firma Voitländer und der Schützengesellschaft in Kauf genommen würde. Die Sachen seien zu einer Zeit passiert, in der keiner der Anwesenden dafür verantwortlich gewesen sei. 

Die Situation der Kronacher Schützengesellschaft wäre eigentlich in Ordnung, teilte Schatzmeister Karl Pfretzschner mit. „Wenn nicht das Damoklesschwert der Säureharzdeponie über uns schweben würde!“ Mittlerweile sei es so tief gesunken, dass es bereits schmerze. Schon die Kosten für einen Fachanwalt betrugen 15 000 Euro. Die Ersterkundungen kosteten auch schon 20 000 Euro. 

Er verstehe die heutige Rechtslage nicht so ganz, meinte Pfretzschner. Die Produktionsrückstände entstanden bei der Herstellung von kriegswichtigen Gütern (Ölproduktion für Panzermotoren). Da hätte er den Vereinsvorstand erleben mögen, der es in jener Zeit in den 40er-Jahren gewagt hätte, der Kreisleitung zu widersprechen. Die Bohrergebnisse der Pilotbohrung ergaben, dass hohe Schadstoffkonzentrationen sehr tief in den Stein eingesickert sind und weitere Maßnahmen erforderlich sind, informierte Dr. Weber. „Die Bohrung hat keine Entlastung ergeben“, machte er Hoffnungen von Vereinsmitgliedern zunichte. rg

Zurück zur Presseschau