FT Samstag, 16.4.2005

Große Erfolge blieben diesmal aus 
Jahresversammlung der Schützengesellschaft Kronach – Neuwahlen

Kronach. Im Blickpunkt der Jahresversammlung der Schützengesellschaft (SG) standen Neuwahlen, Ehrungen und Auszeichnung erfolgreicher Sportschützen sowie Berichte. 

Die vielen erfreulichen Punkte wurden durch die Hiobsbotschaft der Bodenbelastung eines Grundstückes der SG mit Säureharzrückständen aus dem Zweiten Weltkrieg, überschattet und dramatisch getrübt (siehe eigenen Beitrag). Schützenmeister Dr. Johannes Weber freute sich über den sehr guten Besuch, zeige dies doch die Verbundenheit der Mitglieder. Sie zeigten bei den Neuwahlen auch außerordentliche Verbundenheit und Loyalität zum bisherigen Vorstand.
Bei den turnusgemäßen Wahlen wurden Dr. Johannes Weber als Schützenmeister, Adolf Stützinger als Zweiter Schützenmeister und als Schriftführerin Thea Xynos in ihrem Amt mit einstimmigem Votum bestätigt. 

Hervorragende Arbeit

Schatzmeister Karl Pfretzschner hatte schon vor einem Jahr erklärt, aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl zur Verfügung zu stehen. Ihm dankte der Schützenmeister für seine hervorragende Arbeit in den sechs Jahren als kompetenter und verantwortungsvoller Schatzmeister. An seine Stelle wurde als neuer Schatzmeister Matthias Steller gewählt.
Viele Baumaßnahmen und Restaurierungen im Schießbereich und am Schützenplatz führten zu Verbesserungen. Derzeit erhalte der Pavillon einen Wetterschutz.

Der Schützenmeister informierte über Verhandlungen mit der Stadt über den Erwerb des sogenannten Peterhänsel-Grundstück, das unmittelbar an den Schützenplatz im Norden anschließt. Momentan lägen allerdings die Preisvorstellungen weit auseinander.

Ein Archiv für die Schützenscheiben ermögliche deren fachgerechte Lagerung. Auch die Schützenscheiben, die bei der Stadt Kronach in Gewahrsam gewesen seien, seien nun in Obhut der Schützen und erhielten neue Rahmen, da Sanierungsbedarf festgestellt worden sei. Zu ihnen geselle sich ein weiteres Unikat. Eine Königsscheibe aus den Jahren 1926/1927 wurde aus dem Familienbesitz von Heinrich Bauer der Schützengesellschaft angeboten. 

Schützenmeister Weber dankte allen Helferinnen und Helfern, die während des Jahres stets mitgeholfen hätten, dass die SG ein kulturelles Aushängeschild des Landkreises bleibe. Dank guter Bewirtung durch die Familie Brigitte und Roland Angles genieße das Schützenhaus einen guten Ruf. Weiterer Dank ging an Zweiten Schützenmeister Adolf Stützinger, Jürgen Grune, Platzmeister Thomas Mayer, Karl Wittig, Dietrich Denzner und Angela Jungkunz. 

Mit Arnold Fischer konnte ein kompetenter Hausmeister gewonnen werden. Der Dank ging auch an die erfolgreichen Schützen die den Namen des Vereins durch gute Leistungen immer wieder weit über die Region hinaustragen. Nicht zuletzt dankte Weber dem Vorstand für die gute Zusammenarbeit und den anschließend geehrten Jubilaren für ihre jahrzehntelange Treue zur SG.

Schatzmeister Karl Pfretzschner bedauerte, dass der Verein durch die Querelen um die ehemalige Säureharzdeponie schon viel Geld verloren habe. Im vergangenen Jahr sei auch das Schützenfest finanziell ein Minusgeschäft gewesen und 12 000 Euro an Verlust gebracht. 

Die Liegenschaften und Anlagen seien in ihrer Unterhaltung eine ständige finanzielle Belastung. Mit einem Gesamtverlust von rund 3000 Euro sei die SG nochmals „mit einem blauen Auge davon gekommen, die SG bewegt sich aber auf dünnem Eis“, betonte Pfretzschner. 

637 Mitglieder

Die Mitgliederzahl bezifferte er auf 637 (Vorjahr 642). Der Schatzmeister sprach allen großen Dank aus. Vor allem dankte er den Vorstandsmitgliedern für die stets kollegiale Zusammenarbeit. 
Frank Jungkunz und Dieter Gläsel hatten die Kasse geprüft und laut Revisionsbericht von Dieter Gläßel gab es keinerlei Beanstandungen. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt.

Zweiter Schützenmeister Adolf Stützinger blickte auf das Schießsportjahr zurück. Besonders die Kronacher Schützen habe es hart getroffen, dass die Disziplin „Laufende Scheibe“ aus dem olympischen Programm genommen wurde. Die Motivation vieler engagierter Schützen ließ dadurch offensichtlich nach und es blieben die großen Erfolge auf Bundesebene aus.

Marko Schulze bildet die Ausnahme. Er wurde mit der Mannschaft Europameister „Laufende Scheibe zehn Meter“. Auch bei internationalen Wettkämpfe war er stets erfolgreich. Alf Rüger und Sebastian Heim sorgten für Doppelsiege beim Landesvergleichskampf in der Disziplin „Laufende Scheibe“. Acht bayerische Meistertitel konnten errungen werden. Besonders die Leistungen von Sebastian Heim und Jonas Topel seien hervorzuheben. So auch die Leistungen der Luftgewehr-Junioren Christian Herget, Michael Götz, Marc Pensel und Alexander Appel. Die Schützen der SG Kronach konnten im vergangenen Jahr 18 Gaumeister- und 14 Bezirksmeistertitel erringen.

Gewinner der Gaumeistertitel: KK 3x20 Damenaltersklasse: Christel Müller; Luftgewehr Senioren Mannschaft: Gert Kümmet, Dietmar Jungkunz und Dieter Gläßel; Luftgewehr Mannschaft angestrichen: Gert Kümmet, Christa Müller, Herbert Kaiser; KK-Sportpistole: Matthias Wachter; KK-Sportpistole Senioren: Helmut Rauch. Auf Bezirksebene errang Christel Müller den Titel in KK 3x20 Damen-Altersklasse.

Wanderpokale gewannen: Dietmar Jungkunz, Herbert Kaiser, Hans Werner Weber, Angela Jungkunz, Marc Pensel, Matthias Wachter, Matthias Kümmet, Kurt Fehn, Christian Stützinger. Besonderen Dank sprach Adolf Stützinger den Vereinstrainern Dietmar Jungkunz und Timo Horn aus. Mit einer Pokalspende warteten die Witwe von Jochen Stauch, Sigrid Stauch mit Tochter Sibylle, auf. Im Gedenken an den langjährigen Schützenmeister stifteten sie einen Pokal an die SG. Die Schützenmeister Dr. Johannes Weber und Adolf Stützinger führten die Ehrungen langjähriger Mitglieder durch. eh

Verein muss um Vermögen fürchten

 

KRONACH. Die Schützengesellschaft plagen derzeit große Sorgen. 60 Jahre nach Kriegsende soll sie für eine Säureharzdeponie aus dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich gemacht werden, die damals auf einem Grundstück der Gesellschaft errichtet wurde. Schützenmeister Dr. Johannes Weber informierte in der Jahresversammlung am Donnerstag die Mitglieder ausführlich über den derzeitigen Stand der Dinge, während der scheidende Schatzmeister Karl Pfretzschner die fatalen finanziellen Folgen für den Verein aufzeigte.

35 000 Euro für Anwalt und Gutachten

Schon jetzt musste die Gesellschaft nur für Fachanwalt und Bodengutachten (es fanden zwei Bohrungen statt, die eine Schadstoffbelastung bestätigten) an die 35000 Euro berappen. Ein Ende ist nicht abzusehen, eher sei dies erst der Anfang. Schließlich könne die Maßnahme zum Vereinskonkurs führen, denn die Rede sei von

Millionenschäden, wenn es zu einer Sanierung auf Kosten der SG kommen sollte, informierten die beiden Vorstandsmitglieder.

Ein angestrebter öffentlichrechtlicher Vertrag zwischen SG und Freistaat sei bisher vom Land Bayern abgelehnt worden. Wie überhaupt schwer ein Ansprechpartner mit konkreter Kompetenz findig gemacht werden könne.

Sollte in Millionenhöhe saniert werden müssen, sei. der Konkurs sowohl einer heimischen Firma (die ebenfalls betroffen ist) als auch der SG vorprogrammiert, so Dr. Weber, der damit Entsetzen bei den Mitglieder hervorrief.

Bei der SG sei jetzt schon die Grenze der finanziellen Belastbarkeit überschritten. Wenn diese Taktik so weitergehe, werde man scheibchenweise um das Vermögen gebracht, mutmaßte Pfretzschner. Deshalb erwarte man mehr Engagement von heimischen Politikern. Seit Jahrzehnten seien die Bodenbelastungen bekannt,

doch niemand zeige konkret letztendlich Entscheidungsfähigkeit. Insbesondere die Schützenbrüder Werner Schnappauf, (Staatsminister für Gesundheit, Umwelt- und Verbraucherschutz) und Landrat Oswald Marr hielten sich bisher, trotz mehrerer Hilferufe durch die SG, bedeckt und zurück. Doch gerade von ihnen erwartet die SG massive Unterstützung.

„Wenn wir wenigstens ein Zeichen erhalten würden, wie es weitergehen wird. Ob Landratsamt, Regierung oder Freistaat, verfahren alle nur nach dem Prinzip, abwarten, dann sehn wir 'mal". Unter diesen Umständen, stets das Damoklesschwert bereits am Körper zu verspüren, könne der Verein nicht vernünftig für die Zukunft planen, daher müsse endlich eine Entscheidung getroffen werden.

Stellenwert der Schützengesellschaft

Die Berichte in der Jahresversammlung verdeutlichten, welchen Stellenwert die SG kulturell und auch als Prestigeverein für Stadt und Landkreis einnimmt.

Ein riesiges Potenzial an Idealismus und ehrenamtlichem Engagements stecke in dem Verein. Alle Liegenschaften würden stets aufs beste gehegt und gepflegt. Man dürfe nicht glauben, dass die SG einen Dukatenesel habe. Die Meinung, „die Schützengesellschaft hat's ja", sei ein Irrglaube, denn lange könne man nicht von der Substanz leben.

 

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