Die Schützengesellschaft Kronach
ist eine der ältesten Schützengesellschaften in Deutschland. Das genaue Datum ihrer Gründung kann urkundlich nicht mehr belegt werden, aber 1444 werden in einem Rats-Protokoll  der Stadt Kronach vier "Stadtschützen" erwähnt, die zu Schießen nach Koburg und Bamberg fuhren und dazu ein Zehrgeld erhielten. 
Die erste Schießstätte auf der Hofwiese (dem jetzigen Schützenplatz) wurde 1497errichtet. Sie wurde in den folgenden Jahrhunderten vergrößert und von den Bürgern der Stadt und der Besatzung der Festung Rosenberg bis 1874 benutzt. 1876 erwarb die Schützengesellschaft die Hofwiese. 1887 wurden die Schießanlagen erweitert und modernisiert, dazu ein Jagscheibenstand gebaut. 
Das erste Schießhaus wurde 1592 als Schutzgebäude für die Schützen erstellt, nach mehrmaligem Umbau und Neubau wurde 1934 das Schützenhaus in der heutigen Form erbaut. 1940 wurde es geschlossen und bis Kriegsende 1945 als Lazarett benutzt. Die Schießanlagen wurden 1945 völlig geschleift, die gesamten Grundstücke und Gebäude einem Treuhänder unterstellt. 
1948 beschloss eine Mitgliederversammlung die Fortführung der Schützengesellschaft Kronach und ab 1950 wurden auch die Schießanlagen nach und nach wieder aufgebaut.

Die Schießscheiben-Sammlung der Schützengesellschaft im Schützenhaus und im Frankenwaldmuseum auf der Festung Rosenberg ist einzigartig. Im Schützenhaus sind alle neueren Scheiben, der größte Teil der historischen Scheiben wird im Frankenwaldmuseum aufbewahrt. Dort sind 109 Scheiben aus den Jahren 1720 bis 1877 zu sehen.

Schützuenscheibe 1720

Die älteste Scheibe von 1720 erinnert an den 30jährigen Krieg und die Kronacher Geschichte der geschundenen Männer:

Ein geschundener Mann trägt seine Haut als Lendenschurz, die Gesichtshaut mit Haaren und Bart hängt auf seinem Oberschenkel.
Die Umschrift auf der Scheibe lautet:
"Habt achtung, spannt den Hahn, gebt Feuer auff den rothen Mann"

Eine Scheibe von 1742 zeigt einen Koch, der einen Schützen auf eine alte Frau hinweißt. Die Frau hält einen Schweinskopf (das Auge des Schweinskopfes war der Zielpunkt) im Schoß, über ihr steht: 
"Rothe Rüben kühlen sehr, Alte Weiber noch viel mehr".

Die Umschrift lautet:
"Wer diesem alten Weib wird Hitz im Leibe jagen, Der soll die beste Gaab heut vom Schießhaus tragen".

Schützenscheibe 1742

Schützenscheibe 1775

Die Schießscheibe von 1775 zeigt die damalige Ansicht der Festung Rosenberg. Sie wurde zur Begrüßung des neuen Festungskommandanten Adam Philipp von Redwitz (amtierte von 1775 bis 1787) gegeben. Umschrift:
"O Vestung Rosen=berg dier thut Geben, der Einhorn Neue Zierd Neues Leben".


Königskette

Sehr alt ist auch die Königskette der Gesellschaft. Ihre älteste datierte Klippe trägt die Jahreszahl 1565. Die Kette ist mit den vielen Klippen zu schwer geworden, sie musste geteilt werden. Zu den Schützenauszügen wird nun die neue Kette mit den Klippen ab 1951 getragen.

Älteste datierte Klippe


Untrennbar mit der Schützengesellschaft verbunden ist das
Kronacher Freischießen, eines der größten und ältesten Volksfeste in Franken. 
Es wurde 1588 erstmals urkundlich nachgewiesen und seit 1778 wird es alljährlich im Herbst abgehalten. Für den Bierausschank wurden einfache Reisighütten erstellt und nach dem Fest wieder abgerissen, erst 1910 wurden drei feste Bierhütten errichtet. Die beiden jetzt bestehenden Bierhütten wurden 1971 und 1972 gebaut. Zum Freischießen gehören auch die Militärkapellen, die seit mehr als 130 Jahren im Musikpavillon ihre Konzerte geben. 
Der Schützenauszug, der am ersten Freischießen-Sonntag vom Rathaus auf die Hofwiese zieht und der immer Tausende Zuschauer anlockt, hat ebenfalls eine lange Tradition: mindestens seit 1868 findet dieser Auszug statt. 1999 waren 22 Schützenvereine und neun Musikkapellen beteiligt.
Nicht vergessen darf man auch den Kinderzug, der nachweislich seit 1910 den gleichen Weg zum Festplatz nimmt. Im vergangenen Jahr zogen über 1200 Kinder in 50 Gruppen und Wagen vom Marktplatz zur Hofwiese. Sie wurden von sechs Musikkapellen begleitet.

Eine umfassende Dokumentation unserer Vereinsgeschichte und der Geschichte des Kronacher Freischießens findet sich in dem Buch "400 Jahre Kronacher Freischießen" herausgegeben von und zu beziehen bei der Schützengesellschaft Kronach.


© SG Kronach  14.05.01